Die Bundesbürger verfügen über ein gewaltiges Geldvermögen. Doch bei der Anlage sind sie – gerade im internationalen Vergleich – schlecht aufgestellt. Langfristig macht sich das in einer schwächeren Rendite und einem geringeren Vermögensaufbau bemerkbar.
Die gute Nachricht vorweg: Es gibt immer mehr Aktienanleger hierzulande. Laut dem Deutschen Aktieninstitut (DAI) besaßen im Jahr 2025 rund 14 Millionen Menschen Aktien – sei es direkt, über Fonds oder über Exchange Traded Funds (ETFs)1. Damit wurde der Höchststand von 2022 mit 12,9 Millionen Aktienanlegern um mehr als eine Million übertroffen.
„Es ist positiv, dass immer mehr Menschen den renditestarken Kapitalmarkt für ihre Geldanlage nutzen“, urteilt Claus Hecher, Leiter ETF-Vertrieb für die DACH-Region bei der BNP Paribas Asset Management. „Dennoch legen viele Bundesbürger ihr Geld auch unvorteilhaft und wenig ertragreich an.“ So betrug die Sparquote in den ersten drei Monaten des Jahres 2025 rund 10,3 Prozent des verfügbaren Nettoeinkommens, womit sich das Geldvermögen der Deutschen Ende 2025 laut der DZ Bank auf über zehn Billionen Euro summierte. Jedoch liegen rund 35,7 Prozent2 davon in Bankeinlagen oder werden als Bargeld gehalten.
Zinsanlagen bergen das Risiko des realen Wertverlusts
„Die Sicherheit, die Bankeinlagen versprechen, ist aber trügerisch“, warnt Hecher. So bringt Tages- oder Festgeld derzeit im Durchschnitt rund zwei Prozent3 Zinsen. „Bei einer aktuellen Inflationsrate von 2,9 Prozent in Deutschland ergibt sich damit ein realer Kaufkraftverlust“, rechnet der Experte vor. In diesem Fall wären das über zehn Jahre bei einem Betrag von 10.000 Euro, wenn Verzinsung und Inflation stabil bleiben, rund 8,5 Prozent.
Wer 10.000 Euro unverzinst liegen lässt, erleidet bei einer durchschnittlichen Inflationsrate von zwei Prozent nach zehn Jahren einen Kaufkraftverlust von etwa 18 Prozent oder 1.800 Euro. Das heißt, der Anleger kann sich damit, gerechnet in heutigen Preisen, nur noch Waren im Gegenwert von 8.200 Euro kaufen. Wer sein angespartes Kapital nach Inflation zumindest erhalten will, braucht höher rentierliche Anlagen.
Dazu zählen Aktien: Wer 1975 in den Dax investierte und bis 2025 dabei blieb, kommt laut dem Renditedreieck des DAI auf eine durchschnittliche jährliche Rendite von 8,6 Prozent.4 Jedoch sind Aktien eine Quelle für den Vermögensaufbau, die hierzulande vergleichsweise wenige Menschen nutzen, wie ein Blick ins Ausland zeigt. Während die Aktionärsquote in Deutschland laut dem DAI bei knapp 20 Prozent liegt, besitzen in den USA 62 Prozent direkt oder indirekt Aktien5. In Finnland sind es rund 38 Prozent6 und in Österreich 31 Prozent7. In der Schweiz8 sind es 34 Prozent, die direkt in Aktien investiert sind, Fonds- und ETF-Anleger kommen noch dazu.
Deutsche Haushalte verschenken Rendite
Ähnlich sieht der Blick auf den Anteil des Finanzvermögens aus, den Haushalte in verschiedenen Ländern in Aktien investiert haben. Während es hierzulande 20 Prozent sind, sind es in den USA 43,7 Prozent, in Schweden 34,7 Prozent, in Italien 31,1 Prozent und in Frankreich 24,2 Prozent9. „Die deutschen Sparer, die viel Geld auf die Seite legen, verschenken also Rendite“, so Hecher. Ein guter Ausgangspunkt für mehr Investitionen am Kapitalmarkt könnte das Altersvorsorgedepot sein, mit dem die Bundesbürger ab Januar 2027 staatlich gefördert in geförderte Wertpapiere wie ETFs und Fonds investieren können. Eine Chance, das Geld, das aktuell auf Sparkonten ruht, für sich arbeiten zu lassen.
[1] https://www.dai.de/detail/aktionaerszahlen-2025-aktienanlage-im-aufwind
[3] https://www.tagesgeldvergleich.net/veroeffentlichungen/marktanalyse.html?utm_source=chatgpt.com
[4] https://www.dai.de/detail/dax-rendite-dreieck Renditen der Vergangenheit sind keine Garantie für künftige Wertentwicklungen. Kapitalverluste sind bei Anlagen in Wertpapiere immer möglich.
[5] https://news.gallup.com/poll/266807/percentage-americans-ownsstock.aspx?utm_source=chatgpt.com
[6] https://stat.fi/en/publication/cmf41enznb34q07uo8bo742hv?utm_source=chatgpt.com
[7] https://www.wienerborse.at/news/wiener-boerse-news/aktienbarometer-2026/?utm_source=chatgpt.com
[9] https://longseries.com/de/p/equity-home-and-market/?utm_source=chatgpt.com