Anleihen, Panik und … Krise?

6% Rendite auf 30-jährige US-Anleihen – das gab es zuletzt im vorigen Jahrtausend. Manche Anleihenbären glauben, dass es bald wieder so weit ist.

Vieles ist heute anders. Weil die Staatsverschuldung jetzt deutlich höher ist, können steigende Renditen Regierungen in echte Bedrängnis bringen. Das könnte wiederum Folgen für Credits und Aktien haben. Anleger müssen wachsamer sein denn je.

  • Wichtige Makrothemen: anhaltende Stabilitätsrisiken
  • Wichtige Marktthemen: vielleicht Volatilität im Herbst

Anleihenpanik

Von der derzeitigen Anleihenpanik bis zu einer Anleiheneuphorie ist der Weg weit. Anleihenrallyes bedürfen meist schwächerer Konjunkturdaten, einer lockereren Geldpolitik oder einer Aktienmarktkorrektur – und zwar einer so starken, dass dies nicht spurlos an der Wirtschaft vorübergeht. Nichts davon ist in Sicht.

Stattdessen ist aus den Sorgen um die Staatsfinanzen schon fast Hysterie geworden. Der Grund liegt auf der Hand: Staatsschulden sind Verbindlichkeiten, und sie steigen. Als die US-Schulden gerade die 40-Billionen-Dollar-Marke überstiegen, war die Aufregung groß.

Je höher die Verbindlichkeiten im Verhältnis zum BIP sind, desto wahrscheinlicher werden höhere Kreditzinsen und damit Refinanzierungsschwierigkeiten – mit negativen finanziellen, politischen und sozialen Konsequenzen.

Die steigenden US-Langfristrenditen haben die Regierung zu noch umfangreicheren Rückkäufen lang laufender Staatsanleihen getrieben. Man könne sogar die Guthaben bei der Fed dazu nutzen.

Derart unkonventionelle Ideen irritieren aber den Markt. Anleger fragen sich nach den Gründen. Da in den USA in gut zwei Monaten Zwischenwahlen anstehen, sehen manche politische Motive.

Kürzlich schrieb ich, dass steigende Hypothekenzinsen nie gut für die Regierungspartei sind. Gerade erst stieg der 30-jährige US-Hypothekenzins auf durchschnittlich 6,8%. Ein Hauch von Panik liegt in der Luft.

Etwa 22% der umlaufenden US-Staatsanleihen haben zurzeit eine Marktrendite von über 5%. Im Schnitt wurden sie zu Coupons von 3,25% begeben. Ein Gedankenspiel: Wenn alle diese Anleihen mit zurzeit mehr als 5% Rendite heute refinanziert werden müssten, müsste das US-Finanzministerium künftig über 4 Milliarden US-Dollar mehr für Zinsen ausgeben.

Negativer Trend

Natürlich gibt es viele Gründe für steigende Langfristrenditen, etwa die Sorgen wegen der wachsenden Haushaltsdefizite in den Industrieländern.

Außerdem könnten die Ereignisse im Nahen Osten die Inflation wieder anheizen, sodass die Notenbanken straffen müssten. Wir erleben aber auch eine gewisse Normalisierung: Vor der internationalen Finanzkrise waren die Anleihenrenditen durchweg höher, auch wegen des höheren nominalen Wirtschaftswachstums (was vor allem an der tendenziell höheren Inflation lag).

Gestiegen ist auch die Kapitalnachfrage. Dieses Jahr werden wohl so viele Unternehmensanleihen begeben wie noch nie, vor allem, weil Technologieunternehmen Kapital für den KI-Ausbau brauchen.

Die Netto-Aktienemissionen dürften auch positiv sein – ebenfalls mit Technologieunternehmen an der Spitze. Der gerade erst verkündete Börsengang des Modehauses Shein in Hongkong (1,8 Milliarden US-Dollar laut Bloomberg) zeigt aber, dass nicht nur für KI Kapital gebraucht wird. Unternehmen wollen von Investoren sehr viel Geld einsammeln.

Bei einer höheren Nachfrage nach Kapital sollte sein Preis, also die Rendite, steigen. Und das scheint bereits begonnen zu haben: Die 30-Jahres-Renditen legten je nach Land zwischen 25 Basispunkten (in Deutschland) und 70 Basispunkten (in Japan) zu.

Auch Aktiva

Am Credit-Markt gelten Anleihen als Verbindlichkeiten. Anleger müssen vor einer Investition die Konjunktur- und Kreditrisiken einschätzen. Eine Anleihe ist aber auch eine Forderung, und zwar eine wichtige für Finanzinstitute und Haushalte.

Des einen Verbindlichkeit ist des anderen Forderung. Die Zinskosten des Kreditnehmers sind der Ertrag des Gläubigers.

Ich möchte noch einmal betonen, dass lang laufende Anleihen in den letzten Jahren nicht besonders attraktiv waren. Die Kurse brachen bei der Zinsnormalisierung ein und reagieren noch immer stark auf Inflation, Zinsen und Staatsfinanzen.

Wenn die Renditen wegen zunehmender Kreditaufnahme steigen, führt das zu einer Verwässerung. Der Kreditnehmer muss mehr Gläubiger befriedigen und für neue Kredite höhere Zinsen zahlen. Die Kurse der zu niedrigeren Renditen begebenen Altanleihen fallen.

Gemessen am laufenden Ertrag sind Anleihen attraktiv

Betrachtet man Anleihen hingegen als Aktiva, scheinen ihre Renditen attraktiver. Am Markt heißt es, dass ein Anstieg der amerikanischen 5-Jahres-Rendite von zurzeit 4,7% auf 5% einen Kaufboom auslösen würde. Im Vereinigten Königreich und im Euroraum liegen die Renditen zurzeit deutlich über der Inflation. Angesichts der Form der Zinsstrukturkurven scheinen vor allem 10- bis 15-jährige Titel interessant.

Die laufenden Erträge von Anleihen können jedem Portfolio guttun. Titel mit begrenzten Zinsrisiken (Kurzläufer) oder angemessenen Credit Spreads scheinen dabei besonders attraktiv.

Wer heute in eine fünfjährige US-Unternehmensanleihe mit einem Coupon von 5,25% investiert, kann bis zur Endfälligkeit mit 29% kumuliertem Ertrag rechnen und erhält am Ende auch noch sein Kapital zurück.

High Yield stellt sogar noch höhere Erträge in Aussicht, allerdings bei einem höheren Risiko. Es kann zu Ausfällen kommen, auch wenn die Ausfallquoten in den letzten Jahren niedrig waren.

Langläufer und Spreads vielleicht weiter volatil

Der laufende Ertrag ist das eine, aber der Kurswert eines Anleihenportfolios kann in volatilen Zeiten kräftig fallen. Das gilt vor allem für die USA – weil die Geldpolitik unter dem neuen Notenbankchef Kevin Warsh unklar ist und der Haushaltsausblick nicht wirklich überzeugt.

Nirgendwo leihen sich mehr Unternehmen Geld als in den USA. Und man darf nicht vergessen, dass die amerikanischen Marktrenditen ganz wesentlich davon abhängen, ob Anleger aus anderen Ländern den Dollar und amerikanische Wertpapiere kaufen.

Nichts spricht ernsthaft dafür, dass sich das ändert. Aber wenn die konfrontative Politik anhält, ist es vielleicht doch irgendwann so weit.

In den USA könnten die Kurse besonders stark fallen, weil das Land den größten Kapitalbedarf hat. Attraktive Renditen bieten aber auch europäische Staatsanleihen und Credits, und das bei geringeren Fundamentalrisiken.

Der britische Staatsanleihenmarkt war volatil, und man fürchtet Inflation und eine höhere staatliche Kreditaufnahme. Bis zum nächsten Haushalt, dem ersten unter dem neuen Premier Andy Burnham, ist kaum mit einer ausgeprägten Staatsanleihenrallye und entsprechend niedrigeren Sterling-Renditen zu rechnen.

Anschnallen bitte!

Im September und Oktober ist die Volatilität meist recht hoch. Anleger werden genau auf die US-Zwischenwahlen achten, aber auch auf die Lage im Nahen Osten und den Energiemarkt. Wenn die „Anleihenwächter“ aufgescheucht werden, könnten sie für steigende Credit Spreads sorgen. Das bliebe nicht ohne Folgen für Aktien.

Vielleicht ist jetzt eine Korrektur fällig. Goldilocks könnte passé sein, Inflation und Zinsen könnten steigen. Der KI-Optimismus könnte nachlassen, die Weltlage ist angespannt. Anleihen könnte es als Erstes treffen, wenn es nicht schon begonnen hat. Aber fallende Anleihenkurse könnten auch eine Kaufgelegenheit sein. Seit der Jahrtausendwende lag die amerikanische 30-Jahres-Rendite nicht mehr über 6%. Würde es bald wieder so sein, wären Anleihen im Vergleich zu Aktien extrem billig.

Performancedaten/Quellen: LSEG Workspace Datastream, ICE Data Services, Bloomberg, BNP Paribas AM, Stand 26. August 2026, falls nicht anders angegeben. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Hinweis auf künftige Erträge.

Wichtige Hinweise

Marketing-Kommunikation. Nur für professionelle Investoren. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein zuverlässiger Hinweis auf die aktuelle oder zukünftige Wertentwicklung. Sofern nicht anders angegeben, wird die Wertentwicklung nach Abzug von Gebühren berechnet. Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, basieren auf den verfügbaren Informationen und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Dieses Dokument stellt keine Anlageberatung dar. Anlagen unterliegen Marktschwankungen und den mit Anlagen in Wertpapieren verbundenen Risiken. Der Wert von Anlagen und ihre Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihren ursprünglich investierten Betrag möglicherweise nicht vollständig zurück. Es ist nicht garantiert, dass der Fonds sein Performanceziel erreicht. Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) wahrscheinlich einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen. Eine vollständige Beschreibung und Definition der Risiken sind dem letzten verfügbaren Verkaufsprospekt und dem KID des Fonds zu entnehmen. Anleger, die eine Zeichnung eines Fonds in Erwägung ziehen, sollten den aktuellen Verkaufsprospekt und das KID, die auf unserer Website kostenlos vorliegen, sorgfältig durchlesen.

Back to Top