Zentralbanken halten Zinsen konstant, doch die Meinungsverschiedenheiten nehmen zu

Alles Wichtige auf einen Blick

Die Zentralbanken haben ihre Zinsen letzte Woche nicht verändert. Am Thema Inflation scheiden sich aber zunehmend die Geister. So ließ die US-Notenbank Fed ihre Leitzinsen in einer Spanne von 3,5% und 3,75%, obwohl drei ihrer zwölf Ausschussmitglieder für eine Anhebung um 25 Basispunkte gestimmt hatten. Auch die Bank of England hielt ihren Leitzinssatz stabil bei 3,75%. Hier votierten drei Mitglieder des neunköpfigen Gremiums für eine Erhöhung um 25 Basispunkte. Die Bank of Japan hielt bei einem Stimmenverhältnis von acht zu eins an einem Leitzinssatz von 1% fest. Unterdessen gaben technologielastige Aktienindizes wie der US-amerikanische Nasdaq und der südkoreanische Kospi aufgrund von KI-Bedenken immer wieder nach, holten dies aber nach Bekanntgabe hoher Gewinne von US-Tech-Konzernen auch immer wieder auf. 

Nachrichten aus aller Welt

Nach einer vorläufigen amtlichen Schätzung ist die Euroraumwirtschaft im 2. Quartal unerwartet stark gewachsen. Demnach legte das BIP gegenüber dem Vorquartal um 0,4% zu. Analysten hatten mit einem Plus von 0,2% gerechnet. Auch das BIP-Wachstum im 1. Quartal wurde nach oben berichtigt – auf 0%, nachdem zuvor von einer Kontraktion um 0,2% ausgegangen worden war. Davon unabhängigen Daten zufolge ist die Inflation nach 2,8% im Juni auf 2,9% im Juli gestiegen. Schwächer als erwartet war dagegenmit 1,5% p.a. das US-Wachstum im 2. Quartal. Im 1. Quartal waren es noch 2,1% gewesen, und der Markt hatte mit 2% gerechnet.

Zahl im Fokus: 15,7%

Nach Berechnungen von FactSet haben die S&P 500 enthaltenen Unternehmen, die bis zum 28. Juli ihre Gewinnzahlen für das 2. Quartal vorgelegt hatten, in diesem Zeitraum eine Nettoumsatzrendite von durchschnittlich 15,7% erzielt – ein seit Beginn der Aufzeichnungen 2009 unerreichter Rekord. Erst im 1. Quartal 2026 war ein Rekord von 14,8% aufgestellt worden. Ganze sieben Sektoren berichteten über einen Anstieg der Nettoumsatzrenditen gegenüber dem Vorjahr, allen voran die Branche Kommunikationsdienstleistungen, zu der mehrere Technologieriesen zählen. In drei Sektoren gingen die Nettoumsatzrenditen zurück, vor allem im Gesundheitssektor.

Grafik der Woche

Die unsichere Weltpolitik und das volatile gesamtwirtschaftliche Umfeld sprechen dafür, dass die Inflation und damit die Anleiherenditen für längere Zeit hoch bleiben könnten. Handelsstörungen und ein Rückgang der Investitionen durch geopolitische Entwicklungen, der Klimawandel, Protektionismus sowie die gewaltigen Ausgaben für KI-Infrastruktur könnten die Inflation in die Höhe treiben, sodass Anleger höhere Anleiherenditen verlangen würden. Zudem könnten Investoren Anleihen mit niedriger Duration bevorzugen, bis die Lage wieder berechenbarer wird. Diese Papiere sind in der Regel weniger volatil und lassen sich schnell wieder anlegen.

Wissenswert

Belt and Road Initiative: Die auch als „Neue Seidenstraße“ bekannte, 2013 angestoßene Belt and Road Initiative ist ein globales Investitionsprojekt Chinas, das auf den Ausbau von Infrastruktur und Handelsrouten zwischen der Volksrepublik und dem Rest der Welt abzielt. Nach Angaben des chinesischen Green Finance & Development Centers ist in den ersten sechs Monaten 2026 mit Investitionen und Bauaufträgen in Höhe von 49,8 und 76,5 Milliarden US-Dollar so viel Kapital in das Programm geflossen wie noch nie zuvor in einer ersten Jahreshälfte. Dazu zählten auch rekordhohe Investitionen in grüne Energie und Bauprojekte von 20,1 Milliarden US-Dollar in der ersten Jahreshälfte. Das ist so viel wie im Jahr 2025 insgesamt.

Das bringt die Woche

Am Dienstag berichten die USA über ihre Import- und Exportzahlen im Juni. Am Mittwoch veröffentlicht die BoJ das Protokoll ihrer letzten Zinssitzung. Zudem kommen eine Reihe an Einkaufsmanagerdaten heraus, unter anderem für die USA, den Euroraum, das Vereinigte Königreich, Japan und China. Am Freitag werden Handelszahlen aus China sowie aktuelle Arbeitsmarktdaten aus Kanada und den USA erwartet.

Wichtige Hinweise

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