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Disruptive tech
Vorausschauend denken | Artikel - 4 Min

Eintritt in das Zeitalter der künstlichen Intelligenz

Technologische Fortschritte haben bereits seit geraumer Zeit unser Leben, unsere Arbeitswelt und unsere Freizeit tiefgreifend verändert. Künstliche Intelligenz birgt allerdings weiterhin das Potenzial, disruptive Technologien noch weiter transformieren zu können.

Das disruptive Potenzial der KI sorgt auf den Finanzmärkten aktuell für große Begeisterung, wirft aber auch Fragen zu den weitreichenden Risiken auf. Für Anleger entwickelt sich KI aktuell zu einem echten Trend, den auch wir nicht ignorieren können. Gleichzeitig ist es aber nicht einfach, hinter dem ganzen „Hype“ echte und langfristige Chancen zu identifizieren.

Beschleunigung der KI-Evolution

Die künstliche Intelligenz ist mehr als nur Science-Fiction. Sie ist seit den 1950er Jahren wissenschaftliche Realität, wobei ihr Einzug in unsere tägliche Welt zu Beginn relativ ruhig verlief. Das änderte sich allerdings im November 2022 mit der Einführung des ersten kommerziellen generativen KI-Tools, welches die Entwicklung der KI sofort erheblich beschleunigte.

Im Gegensatz zu früheren regelbasierten Systemen handelt es sich bei der generativen KI um ein großes sprachbasiertes Modell, das anhand großer Datenmengen trainiert werden kann. Diese Technologie steckt zwar nach wie vor in den Kinderschuhen, bietet aber bereits eine Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten: vom Schreiben von Texten über die Zusammenfassung von Daten bis hin zur Unterstützung von Entwicklern bei einer Codegenerierung. Ein bedeutendes Merkmal, das aktuelle KI-Systeme von älteren unterscheidet, ist ihre Fähigkeit, Inhalte zu generieren, die in einer natürlichen, dem Menschen ähnelnden Art entstehen. Sie wurden beispielsweise bereits zur Erzeugung authentischer Gedichte und Lieder verwendet. Das ist allerdings erst der Anfang. Die KI hat sich über die eingespielten Daten weiterentwickeln können und ist mittlerweile auch in der Lage, Inhalte in andere Formate wie Bilder, Videos und Audiodateien umzuwandeln. Auch für die weitere Zukunft werden künstliche Intelligenzen das Potenzial haben, weitere neue Grenzen der Innovation und Kreativität zu erschließen.

Eine aufstrebende KI-Wirtschaft

Im Gegensatz zu früheren KI-Iterationen, die IT-Spezialisten vorbehalten waren, haben generative KI-Anwendungen einen viel breiteren Nutzen – fast jeder kann damit kommunizieren und kreativ sein. Als Konsequenz könnte sich ihre Verbreitung wahrscheinlich beschleunigen und zu einem Zustand allgegenwärtiger Anwendung führen, der der Weltwirtschaft Billionen von Dollar bescheren könnte. Die jüngste Studie von McKinsey beispielsweise schätzt sogar, dass generative KI jährlich einen Gegenwert von 2,6 Billionen bis 4,4 Billionen USD einspielen könnte.

In Zukunft wird es weiterhin erhebliche Auswirkungen auf den gesamten Technologiesektor geben. Marktführende Softwareanbieter nutzen die Technologie bereits für die Programmierung und die erweiterte Kodierung. Inzwischen profitieren Halbleiterhersteller sogar von dem exponentiellen Anstieg der Rechenkapazitäten, die von den fortschreitenden generativen KI-Systemen benötigt werden.

Die eigentliche Begeisterung für KI liegt jedoch in dem Wert, den sie für Unternehmen außerhalb des Technologiesektors schaffen kann.

Vielversprechende KI-Anwendungen

Wie bereits bei der Digitalisierung zu beobachten war, verfügt KI über eine Vielzahl von wirkungsvollen Werkzeugen, die Kosteneffizienz verbessern und neue Einnahmequellen in vielen Branchen erschließen werden. Tatsächlich wird prognostiziert, dass etwa 70 % der Unternehmen bis 2030 mindestens eine Art von KI-Technologie einsetzen werden. Laut McKinsey werden die Bereiche, die sich am unmittelbarsten verändern werden, wahrscheinlich der Kundenservice, Marketing- und Vertriebsaktivitäten sowie Forschung und Entwicklung sein, was sich wiederum auf Branchen wie Banken, Einzelhandel und Biowissenschaften auswirken wird.

Im Kundendienst werden generative KI-Chatbots eingesetzt werden, um die Interaktion mit den Verbrauchern zu automatisieren, die Geschwindigkeit, Qualität und Effektivität automatisierter Antworten zu verbessern und es den menschlichen Mitarbeitern zu ermöglichen, ihre Zeit komplexeren oder wichtigeren Tätigkeiten zu widmen. Des Weiteren wird der Verkaufsprozess durch KI-Systeme stärker individualisiert werden können. Diese wird ermöglichen, Produktvorschläge zu kreieren, die maßgeschneidert auf den jeweiligen Kunden sind. Ein solcher Fortschritt könnte dazu beitragen, dass uns virtuelle KI-Einkaufsassistenten basierend auf unseren Vorlieben Kleidungsstücke vorschlagen und uns Tipps geben, wo wir diese am vorteilhaftesten erwerben können. Darüber hinaus könnten virtuelle Gesundheitsassistenten, die Informationen von unseren Handgelenksmonitoren sammeln, individuelle Ernährungspläne und Trainingsprogramme entwerfen. Außerdem könnte ein Unterhaltungsassistent personalisierte Fernsehprogramme für uns zusammenstellen.

In der Biowissenschaftsbranche wird KI bereits eingesetzt, um die Entwicklung neuer Medikamente zu beschleunigen oder neue therapeutische Instrumente zu entwerfen. Und es ist genau diese kreative Fähigkeit der KI, die die Hoffnung nährt, dass sie eine innovative Rolle bei der Einführung neuer klimaschonender Lösungen spielen wird.

Mit neuen Technologien kommen neue Risiken

Wann immer eine neue Technologie auftaucht und sich schnell durchsetzt, besteht das Risiko, dass einige Unternehmen Marktanteile verlieren oder dass sie gar verdrängt werden könnten, insbesondere wenn sie sich nicht schnell genug anpassen. Generative KI birgt in diesem Kontext auch eine Reihe von Risiken in Bezug auf Beschäftigung und die Generierung von Inhalten, Datensicherheit und Datenschutz, Energieverbrauch und sogar Vielfalt und Integration.

Erstens, bei all den Überlegungen zu Geschäftsoptimierungen und virtuellen Assistenten, besteht die berechtigte Sorge, dass menschliche Arbeitskräfte ersetzt werden könnten. Schätzungen zufolge könnten zwei Drittel der Arbeitsplätze zumindest in gewissem Maße automatisiert werden. Auch die inhaltsgenerierenden Fähigkeiten der KI sorgen in einigen Bereichen für Beunruhigung angesichts der zunehmenden Verbreitung von Fehlinformationen und des Missbrauchs von Stimmen und Bildern von Menschen.  Ebenfalls, aus ökologischer Sicht sind die KI-Rechenzentren bereits für 2 bis 3 % der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich, wobei sich das Datenvolumen alle zwei Jahre verdoppeln dürfte. Und schließlich hat sich bereits gezeigt, dass die Digitalisierung ein Problem mit der Unparteilichkeit mit sich bringt. Wenn nicht schnell etwas dagegen unternommen wird, könnten geschlechtsspezifische und rassistische Vorurteile innerhalb von KI-Programmen die Bemühungen um mehr Vielfalt, Gerechtigkeit und Inklusion behindern.

Darüber hinaus können mit der rasanten Entwicklung der KI-Regulierung nur schwer Schritt halten, obwohl Behörden schon länger damit begonnen haben, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Der künftige EU-Gesetzentwurf für digitale Dienste enthält Bestimmungen für einen Ethikrahmen für KI sowie Leitlinien für die Beurteilung von KI-bezogenen Fragen. Der „Algorithmic Accountability Act“ in den USA schreibt regelmäßige Bewertungen von risikoreichen KI-Systemen vor, die personenbezogene Daten verarbeiten oder automatische Entscheidungen treffen.

Den KI-Hype umschiffen

Mit dem Beginn des Zeitalters der künstlichen Intelligenz sollten Anleger ihr weitreichendes Potenzial genau im Auge behalten. Doch wie uns frühere technologische Fortschritte bereits gelehrt haben, ist es für Anleger leicht, sich von dem neuesten Megatrend mitreißen zu lassen. Weitaus schwieriger ist es jedoch, zu unterscheiden, wer letztlich zu den Gewinnern gehören wird. Wir bei BNP Paribas Asset Management verfolgen mit unserer disruptiven Technologie-Strategie das Ziel, die innovativen Technologien zu identifizieren, die die Gesellschaft und Weltwirtschaft umgestalten werden. Unser erfahrenes, in den USA ansässiges Aktien-Team ist davon überzeugt, dass die Anwendungen für generative KI überzeugende Investitionsmöglichkeiten schaffen werden. Schließlich wird die Identifizierung grundlegender Treiber dieser Technologien entscheidend sein, um den bloßen Hype zu vermeiden.

    Bitte beachten Sie, dass diese Artikel eine fachspezifische Sprache enthalten können. Aus diesem Grund können sie für Leser ohne berufliche Anlageerfahrung nicht geeignet sein. Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und basieren auf den verfügbaren Informationen, womit sie ohne vorherige Ankündigung geändert werden können. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen. Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück. Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen. Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Konservierung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein. Private Assets sind Anlagemöglichkeiten, die über öffentliche Märkte wie Börsen nicht verfügbar sind. Sie ermöglichen es Anlegern, direkt von langfristigen Anlagethemen zu profitieren, und können Zugang zu spezialisierten Sektoren oder Branchen wie Infrastruktur, Immobilien, Private Equity und anderen Alternativen bieten, die mit traditionellen Mitteln schwer zugänglich sind. Private Assets bedürfen jedoch einer sorgfältigen Abwägung, da sie in der Regel ein hohes Mindestanlageniveau aufweisen und komplex und illiquide sein können.
    Umwelt-, Sozial- und Governance-Anlagerisiko (ESG): Das Fehlen gemeinsamer oder harmonisierter Definitionen und Kennzeichnungen zur Integration von ESG- und Nachhaltigkeitskriterien auf EU-Ebene kann zu unterschiedlichen Ansätzen der Manager bei der Festlegung von ESG-Zielen führen. Dies bedeutet auch, dass es schwierig sein kann, Strategien zu vergleichen, die ESG- und Nachhaltigkeitskriterien integrieren, da die Auswahl und die Gewichtung bei der Auswahl von Investitionen auf Metriken basieren können, die zwar denselben Namen tragen, denen aber unterschiedliche Bedeutungen zugrunde liegen. Bei der Bewertung eines Wertpapiers anhand der ESG- und Nachhaltigkeitskriterien kann der Anlageverwalter auch Datenquellen nutzen, die von externen ESG-Research-Anbietern bereitgestellt werden. Angesichts des sich entwickelnden Charakters von ESG können diese Datenquellen bis auf weiteres unvollständig, ungenau oder nicht verfügbar sein. Die Anwendung von Standards für verantwortungsvolles Geschäftsgebaren im Anlageprozess kann zum Ausschluss von Wertpapieren bestimmter Emittenten führen. Folglich kann die Wertentwicklung des Teilfonds zeitweise besser oder schlechter sein als die Wertentwicklung vergleichbarer Fonds, die solche Standards nicht anwenden.

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