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Der nachhaltige Investor für eine Welt im Wandel

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Vorausschauend denken | Artikel - 6 Min

Effizienzen schaffen. Chancen maximieren.

Bei der Optimierung geht es darum, eine Situation oder eine Ressource so gut oder so effektiv wie möglich zu nutzen.

Gegenwärtig nutzen wir die natürlichen Ressourcen der Welt, ohne uns Gedanken darüber zu machen, woher unsere Lebensmittel kommen, wieviel Energie wir verbrauchen und wie wir die Abfallmenge minimieren können.

Dies ist nicht mehr tragfähig, und der notwendige Übergang zu einer besseren Lebensweise wird erhebliche Anlagechancen schaffen, da er mit einer radikalen Veränderung der Konsumgewohnheiten, des Energieverbrauchs und der industriellen Praktiken einhergeht.

Überbeanspruchung der Ressourcen der Erde

Menschliche Aktivitäten gefährden seit langem die Biodiversität. Unser Wirtschaftsmodell – nach dem Muster Nehmen, Herstellen, Verschwenden – hat destabilisierende Folgen für die Luft- und Wasserqualität, die Landnutzung und das Klima.

Die Auswirkungen eines Lebens, das über die Kapazitäten unseres Planeten hinausgeht, wurde in Form des Earth Overshoot Day quantifiziert – als der Tag, an dem die Nachfrage nach Umweltressourcen und -leistungen in einem bestimmten Jahr die Menge übersteigt, die durch die Regeneration der Erde im gleichen Jahr „nachwachsen“ kann. Im Jahr 2023 fiel der Earth Overshoot Day auf den 2. August, und jedes Jahr wird dieser Tag früher erreicht, da wir weiterhin nichts dagegen tun. Das ist eindeutig nicht optimal.

Es hat auch ernste Folgen für Anleger. Untersuchungen zeigen, dass 55 % des weltweiten BIP wesentlichen Naturrisiken ausgesetzt sind und die Wertschöpfungskette aller Wirtschaftssektoren zu einem gewissen Grad von der Natur abhängt. Zu den am stärksten gefährdeten Branchen gehören Energie, Bergbau und Metalle, Versorger sowie Nahrungsmittel und Getränke. Der Verlust an Biodiversität hat nicht nur aufgrund direkter Risiken potenzielle Konsequenzen für Unternehmen. Indirekte Risiken wie Rechtsstreitigkeiten und regulatorische Veränderungen zeitigen ebenfalls erhebliche finanzielle Auswirkungen.

Zwar lassen sich die Gewohnheiten der Wirtschaft nicht von heute auf morgen ändern, aber Anstrengungen in Richtung einer Verringerung des Biodiversitäts-Fußabdrucks der Menschheit sind möglich. Die Entkopplung des Wirtschaftswachstums von der Ressourcennutzung würde ein stärker zirkuläres Wirtschaftsmodell schaffen, ein widerstandsfähiges System mit Möglichkeiten zum Recyceln, Wiederverwenden und Wiederverwerten von Materialien, statt allein auf die Abfallentsorgung zu setzen. In einer solchen Kreislaufwirtschaft sind Effizienzsteigerungen von entscheidender Bedeutung: Das heißt nicht nur, wir müssen mehr Abfälle recyceln, sondern auch wir müssen aus dem, was wir recyceln, mehr herausholen, und auch Lösungen für die Elektromobilität nutzen, digitale Produkte einsetzen sowie Verpackungen (insbesondere aus Kunststoff) reduzieren.

Ein optimiertes System dürfte zu positiven industriellen Praktiken führen, den Druck auf die Ressourcen verringern, das Wirtschaftswachstum durch die Schaffung von Arbeitsplätzen ankurbeln und so für Anleger einen Mehrwert schaffen.

Die Energieeffizienz-Gleichung

Die Internationale Energieagentur (IEA) bezeichnet Energieeffizienz als den „ersten Treibstoff“ für eine saubere Energiewende. Ihre Definition von Energieeffizienz berücksichtigt nicht nur, wie wir Energie erzeugen, sondern auch, wie wir sie nutzen. Daher verlangt das Energiesystem nicht nur die Abkehr von fossilen Brennstoffen, die für die Erreichung der Netto-Null-Ziele unerlässlich ist, sondern auch andere Maßnahmen, wie zum Beispiel eine stärkere Elektrifizierung der Verkehrssysteme ebenso wie Änderungen des Verhaltens und der industriellen Praktiken.

Zuallererst ist unsere Art und Weise der Energieerzeugung nicht optimal. Fossile Brennstoffe sind nicht nur schädlich für die Umwelt allein, denn aufgrund des für ihre Gewinnung notwendigen Energie- und Personalaufwands wird nur ein Teil ihres ursprünglichen Energiepotenzials in Strom umgewandelt. Da erneuerbare Energien aus natürlichen, unerschöpflichen Elementen wie Wind, Sonne oder Wasser (im Falle der Wasserkraft) gewonnen werden, ist ihre Umwandlungsrate wesentlich höher. Beispielsweise bei Kohle werden nur 29 % der ursprünglichen Energie in Strom umgewandelt, bei Windenergie sind es jedoch gewaltige 1164 %.

Während wir beim Teil „saubere Energien“ der Energieeffizienz-Gleichung mehr Fortschritte machen als erwartet, prognostiziert die IEA nun, dass die Nachfrage nach Erdöl, Erdgas und Kohle vor 2030 ihren Höhepunkt erreichen wird.Daher muss auch die Art und Weise, wie wir Energie nutzen, überdacht werden. Im häuslichen Bereich bedeutet dies eine bessere Isolierung unserer Häuser, die Umstellung von Gas-Heizkesseln auf Wärmepumpen und energieeffizientere Geräte. In der Industrie werden Modernisierung und Nachrüstung von Industrieanlagen auf die besten verfügbaren Systeme die Effizienz steigern und die bessere Reparierbarkeit von Produkten zusammen mit dem Ende der geplanten Veralterung die Verschwendung verringern. Das alles wird sich nicht ohne den Einsatz beträchtlicher Kosten machen lassen und könnte für Investoren einen Mehrwert schaffen.

Die entscheidende Frage: kritische Mineralien

Die Vision einer optimierten Welt stützt sich in hohem Maße auf die Digitalisierung und Elektrifizierung von bestehenden ökonomischen Systemen, d.h. Bereichen wie Verkehr und saubere Energieerzeugung. Seltene Mineralien sind ein wesentlicher Bestandteil dieser Technologien. Allerdings hat die steigende Nachfrage nach diesen Mineralien zu Monopolen und Protektionismus geführt, da alle Länder ihre Versorgung sicherstellen wollen.

Ökologisch gesehen schürt der Abbau kritischer Mineralien die Besorgnis über Wasserentnahme, Treibhausgasemissionen und biologische Vielfalt. Fast 1 300 Bergbau- und Explorationsstandorte befinden sich in so genannten Schlüsselgebieten für die biologische Vielfalt, d. h. in Gebieten, die als wichtig für die Erhaltung der Biodiversität eingestuft sind.

Um die Versorgung zu sichern und die Umweltauswirkungen des Abbaus zu minimieren, wäre eine effizientere und umsichtigere Nutzung kritischer Mineralien geboten. Bessere öffentliche Verkehrssysteme und Schienennetze sowie die Entwicklung leichterer Fahrzeuge und auch von Technologien für das Carsharing würden dazu beitragen, die Nachfrage zu senken. Gleichzeitig wären Investitionen in bessere Recyclinganlagen hilfreich in Bezug auf das wachsende Problem des Elektroschrotts.

Die optimierte Nutzung kritischer Mineralien ist von grundlegender Bedeutung für die Zukunft unseres Planeten und könnte zu einigen sehr interessanten Anlagechancen führen.

Umdenken bei der Lebensmittelkette

Die Art und Weise, wie wir Lebensmittel produzieren, um den Bedarf einer wachsenden Bevölkerung zu decken, ist alles andere als optimal. Nehmen wir den Weg vom Bauernhof bis auf den Teller als Beispiel: Heutzutage genießen wir das ganze Jahr über Lebensmittel aus allen Teilen der Welt. Das stillt zwar unseren Appetit, ist aber nicht nachhaltig – zumal die steigende Bevölkerungszahl (mit einem bis 2050 erwarteten Anstieg von 59 % auf 98 %) immer höhere Anforderungen an die Lebensmittelversorgung stellt.

Es gibt bereits mehrere technologische Lösungen zur Verbesserung der Lebensmittelversorgungskette: Vertikale Farmen bauen erfolgreich Nutzpflanzen in städtischen Gebieten an und Präzisionstechnologie unterstützt die Landwirtschaft bei komplexen Entscheidungen, beispielsweise bei der zeitlichen Festlegung von Bewässerung oder Ernte. Solche Innovationen werden derzeit jedoch nur in geringem Umfang eingesetzt. Daher sind parallel dazu andere Maßnahmen wie die Eindämmung der Lebensmittelverschwendung erforderlich.

In der gesamten Wertschöpfungskette von Lebensmitteln gibt es eine immense Verschwendung – bei Produktion, Verarbeitung, Einzelhandel, Lagerung, Transport und letztendlich beim Verzehr. Tatsächlich werden jedes Jahr über 30% der Nahrungsmittel verschwendet. Die Regierungen gehen mit politischen Initiativen gegen die Lebensmittelverschwendung vor: Sie verbieten zu große Packungen und Rabatte, die zu übermäßigem Kauf verleiten. Auch die Unternehmen bemühen sich, die Verschwendung einzudämmen: Sie bringen unverkaufte Waren nicht mehr zur Mülldeponie, sondern spenden sie an Wohltätigkeitsorganisationen.

Da Ressourceneffizienz eine zentrale Säule beim Übergang zu einer optimierten Welt ist, könnten Investoren – parallel zu den enormen finanziellen Anreizen für die Reduzierung von kostspieligem Abfall – langfristige Anlagechancen bei Unternehmen finden, die effiziente Lösungen zur Bewältigung dieser Herausforderung anbieten.

Bessere Nutzung der Digitalisierung

Die Optimierung beschränkt sich nicht auf die Welt der Natur. Der technologische Fortschritt schafft enorme Effizienzgewinne bei Verbrauch, Zeit und Einsatz von Humankapital.

Einer der wichtigsten Bereiche der digitalen Optimierung in Unternehmen war und ist die Verlagerung von IT-Aktivitäten in die Cloud. Cloud Computing ist die Online-Verfügbarkeit von Computersystemen, insbesondere von Datenspeichern und Rechenleistung, die den Kauf, den Besitz oder die Wartung physischer Geräte wie Server überflüssig macht. Dies führt nicht nur zu Kosteneinsparungen, sondern bietet auch den Vorteil der Flexibilität – Unternehmen können so ihren Computerbedarf entsprechend der veränderten Nachfrage skalieren. Bei einer jährlichen Wachstumsrate von rund 18 % erreicht der Cloud-Computing-Markt bis 2027 voraussichtlich 1,2 Mrd. USD. Für Anleger ist Cloud Computing ein langfristiger struktureller Trend: Um weiterhin zu den Besten zu gehören und mit dem digitalen Wandel Schritt zu halten, müssen Unternehmen ihre Betriebssysteme kontinuierlich anpassen.

Das Tempo der digitalen Transformation hat sich durch die Kommerzialisierung der generativen künstlichen Intelligenz (KI) beschleunigt. Die generative KI eröffnet nicht nur erhebliche neue Wachstumsmöglichkeiten, sondern macht auch einen dramatischen Unterschied auf dem Weg der Unternehmen zu mehr Kosteneffizienz, da sie mit weniger Aufwand mehr leisten können. Mithilfe von KI schreiben Entwickler mehr Code pro Stunde, werden für den Kundenservice Fragen ohne menschliches Eingreifen bearbeitet, werden E-Mails entsprechend den Kundenpräferenzen personalisiert und riesige Datenmengen können schnell verarbeitet werden – was die Übermittlung aussagekräftiger Erkenntnisse ermöglicht.

Doch trotz der positiven Eigenschaften der KI gibt es auch Bedenken mit Blick auf die Verdrängung von Arbeitskräften, das Potenzial für Subversion und Missbrauch sowie den hohen Energieverbrauch. So kann beispielsweise ein einziges KI-Unternehmen mehr Strom verbrauchen als eine ganze Stadt wie San Francisco. Das disruptive Potenzial der KI wird unweigerlich große Anziehungskraft auf Investoren ausüben, daher ist es ratsam, sich der Risiken bewusst zu sein.

Optimierung = Anlagechancen

Was die treibenden Kräfte in Richtung einer optimierten Welt weitgehend eint, ist die Notwendigkeit, die natürlichen Ressourcen unseres Planeten effizienter zu nutzen. Dabei ergeben sich Herausforderungen und Chancen aus der Art und Weise, wie sich Lebensstil und Geschäftspraktiken der Menschen ändern, wie der technologische Fortschritt angenommen oder abgelehnt wird, und wie Wiederherstellung, Wiederverwendung und Recycling beim Übergang zu einer stärker kreislauforientierten Wirtschaft genutzt werden können, um Langlebigkeit zu schaffen. Aus dieser permanenten Optimierung werden immer neue Chancen entstehen.

Bei BNP Paribas Asset Management betrachten wir eine stärkere Optimierung als eine der Hauptprioritäten bei nachhaltigen Investitionen. Das Verstehen der Möglichkeiten, die sich den Unternehmen bei der optimierten Verwendung von Materialien ebenso wie bei der Einschränkung von Verbrauch und unproduktiver Nutzung von Ressourcen bieten, ist nicht nur der Schlüssel zu langfristigen Anlagerenditen, sondern auch zu einer nachhaltigeren Zukunft.

    Rechtshinweis

    Bitte beachten Sie, dass diese Artikel eine fachspezifische Sprache enthalten können. Aus diesem Grund können sie für Leser ohne berufliche Anlageerfahrung nicht geeignet sein. Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und basieren auf den verfügbaren Informationen, womit sie ohne vorherige Ankündigung geändert werden können. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen. Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück. Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen. Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Konservierung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein. Private Assets sind Anlagemöglichkeiten, die über öffentliche Märkte wie Börsen nicht verfügbar sind. Sie ermöglichen es Anlegern, direkt von langfristigen Anlagethemen zu profitieren, und können Zugang zu spezialisierten Sektoren oder Branchen wie Infrastruktur, Immobilien, Private Equity und anderen Alternativen bieten, die mit traditionellen Mitteln schwer zugänglich sind. Private Assets bedürfen jedoch einer sorgfältigen Abwägung, da sie in der Regel ein hohes Mindestanlageniveau aufweisen und komplex und illiquide sein können.
    Umwelt-, Sozial- und Governance-Anlagerisiko (ESG): Das Fehlen gemeinsamer oder harmonisierter Definitionen und Kennzeichnungen zur Integration von ESG- und Nachhaltigkeitskriterien auf EU-Ebene kann zu unterschiedlichen Ansätzen der Manager bei der Festlegung von ESG-Zielen führen. Dies bedeutet auch, dass es schwierig sein kann, Strategien zu vergleichen, die ESG- und Nachhaltigkeitskriterien integrieren, da die Auswahl und die Gewichtung bei der Auswahl von Investitionen auf Metriken basieren können, die zwar denselben Namen tragen, denen aber unterschiedliche Bedeutungen zugrunde liegen. Bei der Bewertung eines Wertpapiers anhand der ESG- und Nachhaltigkeitskriterien kann der Anlageverwalter auch Datenquellen nutzen, die von externen ESG-Research-Anbietern bereitgestellt werden. Angesichts des sich entwickelnden Charakters von ESG können diese Datenquellen bis auf weiteres unvollständig, ungenau oder nicht verfügbar sein. Die Anwendung von Standards für verantwortungsvolles Geschäftsgebaren im Anlageprozess kann zum Ausschluss von Wertpapieren bestimmter Emittenten führen. Folglich kann die Wertentwicklung des Teilfonds zeitweise besser oder schlechter sein als die Wertentwicklung vergleichbarer Fonds, die solche Standards nicht anwenden.

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