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Wöchentliches Markt-Update – Vorerst geht der Anstieg weiter

Der Ausverkauf der Staatsanleiherenditen in den USA (und weltweit), der einsetzte, nachdem Fitch Ratings am 1. August das Ausfallrating der USA als langfristiger Fremdwährungsemittent von AAA auf AA+ herabgestuft hatte, ließ die Rendite der 10-jährigen Staatsanleihen am 19. September 4,36 %, den höchsten Stand seit 2007, erreichen.

Zunächst waren steigende Realrenditen die Ursache für den Anstieg, denn die Märkte spiegelten die von Fitch geäußerten Bedenken über die schlechten Schuldenaussichten für die USA wider.

In den letzten Wochen sind die Realrenditen jedoch relativ unverändert geblieben, während die Inflationserwartungen gestiegen sind (siehe Diagramm 1). Diese Entwicklung ist auf den Anstieg der Ölpreise zurückzuführen: Rohöl der Sorte Brent liegt inzwischen bei über 90 USD pro Barrel.

Wir sind der Ansicht, dass der Anstieg der US-Staatsanleiherenditen jetzt weitgehend abgeschlossen ist, und rechnen von nun an mit niedrigeren Renditen. Zwar würden Energielieferanten wie die Erdöl exportierenden OPEC-Länder noch höhere Preise bevorzugen, doch ab einem bestimmten Punkt dürften höhere Ölpreise das Wachstum und damit die Nachfrage beeinträchtigen.

Hinzu kommt, dass sowohl die US-Notenbank Federal Reserve als auch die Europäische Zentralbank höchstwahrscheinlich am Ende ihres Zinserhöhungszyklus angelangt sind. Die Auswirkungen der Zinserhöhungen des letzten Jahres sind in den USA und in der Eurozone noch nicht in vollem Umfang spürbar, was darauf hindeutet, dass sich das Wachstum weiter verlangsamen dürfte. Dies dürfte zu einer Entspannung bei den Realrenditen führen. Schließlich ist zu erwarten, dass die beiden Zentralbanken mit Zinssenkungen beginnen werden, was einen weiteren Impuls für sinkende Realrenditen geben dürfte.

Aktien kämpften mit höheren Renditen

Aktien, insbesondere US-Wachstumsaktien, haben nicht gut auf den Anstieg der (realen) Renditen reagiert.

Der technologielastige NASDAQ 100 verlor im August 7 %, im Vergleich zu einem Rückgang um 3 % für den breiteren US-Markt. Seither hat sich die Lage jedoch verbessert, und die Renditen für beide liegen jetzt bei etwa -3 % gegenüber dem diesjährigen Höchststand.

Sollte sich unsere Einschätzung bewahrheiten, dass die Renditen von nun an sinken, würde dies wiederum die Aktienmärkte stützen. Ein Abwärtsrisiko geht eher davon aus, dass sich die Gewinnerwartungen mit der weiteren Verlangsamung des Wachstums abschwächen könnten.

Die Inflationsdaten, ein Dilemma für die Fed

Der Anstieg der Ölpreise ist nicht der einzige Faktor, der die Inflationserwartungen in die Höhe getrieben hat. Der jüngste US-Verbraucherpreisindex (VPI) für August hat die Erwartungen deutlich übertroffen, d.h. die Inflation war höher als erwartet.

Die Gesamtinflation (einschließlich Nahrungsmittel und Energie) lag im Jahresvergleich bei 3,7 %, gegenüber einer Prognose von 3,6 % und einem Wert von 3,2 % im Juli. Die Kerninflation (ohne Nahrungsmittel und Energie) stieg ebenfalls an und betrug 0,3 % gegenüber dem Vormonat, während die Prognose bei 0,2 % lag.

Wie schon seit vielen Monaten war der Anstieg der Kerninflation in erster Linie auf die höheren Kosten für Unterkünfte (Wohnraum) zurückzuführen. Dieser Teil des VPI-Warenkorbs steigt zwar immer noch schnell an, doch scheint die Fed darüber weniger besorgt zu sein, da die Zentralbank davon ausgeht, dass die Immobilienpreise angesichts höherer Hypothekenzinsen schließlich (wenn auch langsam) fallen dürften.

Die Kerninflation ohne Berücksichtigung der Wohnkosten war deutlich niedriger und stieg in den letzten Monaten auf Jahresbasis um weniger als 2 %. Im August stieg der Kernindex jedoch mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 3,4 % (siehe Diagramm 2).

Ein gewisser Trost ist die Tatsache, dass die höhere Inflationsrate im August vor allem auf Transportdienstleistungen, insbesondere Kfz-Versicherungen und Flugtickets, zurückzuführen ist, die in den kommenden Monaten nicht mehr so schnell steigen dürften.

Sie verdeutlicht jedoch das Dilemma der Fed: Die Inflation liegt immer noch deutlich über ihrem 2 %-Ziel, und auch wenn die Auswirkungen der vorangegangenen Zinserhöhungen noch nicht in vollem Umfang zu spüren sind, ist es für die Fed wahrscheinlich noch zu früh, um die Geldpolitik zu lockern.

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