BNP AM

Der nachhaltige Investor für eine Welt im Wandel

Im Vordergrund | Artikel - 6 Min

Wöchentliches Markt-Update: Fast so gut, wie es nur geht ... Aber bleibt das so?

Da die Bedingungen für die US-Wirtschaft kaum besser sein könnten, haben die Märkte ihre Erwartungen in Bezug auf den Beginn der Leitzinssenkungen zurückgeschraubt. Sie gehen nun davon aus, dass die EZB die Zinsen früher als die US-Notenbank senkt. Aufgrund des doppelten Mandats der Fed – Gewährleistung der Preisstabilität und der Vollbeschäftigung – ist jedoch anzunehmen, dass sie im Falle eines Endes der goldenen Bedingungen für die US-Wirtschaft schnell handeln wird.   

Das BIP der USA übertrifft die Erwartungen

Das Wirtschaftswachstum im 4. Quartal überraschte positiv und bildete den Abschluss eines Jahres unerwarteter Stärke, in dem das Beschäftigungswachstum und die rückläufige Inflation den privaten Verbrauch permanent ankurbelten.

Im 4. Quartal stieg das Bruttoinlandsprodukt um 3,3 % auf Jahresbasis, wie aus den in dieser Woche veröffentlichten vorläufigen Schätzwerten hervorgeht. Für das gesamte Jahr 2023 ergibt sich ein Wirtschaftswachstum von 2,5 %.

Fast so gut, wie es nur geht?

In seiner Rede vom 16. Januar bezeichnete Fed-Mitglied Christopher J. Waller die US-Wirtschaft als „fast so gut, wie es nur geht“. Gouverneur Waller war in den vergangenen Jahren ein zuverlässiges Stimmungsbarometer innerhalb des geldpolitischen Ausschusses (FOMC) der Fed. Seinen letzten drei Reden kann man sehr gut entnehmen, wie die Entscheidungsträger der Fed die wirtschaftlichen Bedingungen einschätzten:

Etwas muss sich bewegen“ – 18. Oktober – Entweder musste sich die US-Wirtschaftstätigkeit abschwächen oder es war vorbei mit den Fortschritten bei der Inflationsbekämpfung.

Es scheint sich etwas zu bewegen“ – 28. November – Die Wirtschaftsdaten zeigten Anzeichen für eine Abschwächung der Aktivität im vierten Quartal, die Inflation war immer noch zu hoch… wenn jedoch die Desinflation anhielte, so Gouverneur Waller, könnte die Fed damit beginnen, den Leitzins zu senken, nur weil die Inflation niedriger ist, selbst wenn sie nicht das 2 %-Ziel erreicht! Diese maßvolle Rede ebnete den Weg für den Schwenk des Fed-Vorsitzenden Powell in Richtung eines Nachdenkens über Zinssenkungen bei der Dezember-Sitzung des FOMC.

In seiner Rede vom 16. Januar mit dem Titel „Fast so gut, wie es nur geht … Aber bleibt das so?“ schloss sich Gouverneur Waller seinen FOMC-Kollegen an und wies die Erwartungen auf baldige Zinssenkungen mit den Worten zurück: „Ich sehe keinen Grund, die Zinsen so schnell zu senken wie in der Vergangenheit“.

Gouverneur Waller tritt für „methodische und vorsichtige“ Zinssenkungen ein. Dies entspreche den Wirtschaftsprognosen des FOMC vom Dezember, in denen im Median von drei Zinssenkungen um 25 Basispunkte im Jahr 2024 ausgegangen wurde. Zudem ließ er durchblicken, die Risiken sprächen eher für eine Verzögerung der ersten Zinssenkung als für eine Vorverlegung.

Aber bleibt das so? Ist diesmal alles anders?

Alles Gute hat ein Ende, wie man sagt. Wirtschaftliche Expansionsphasen enden oft deshalb, weil die Organisation einer sanften Landung eine heikle Sache ist, bei der die Zentralbanker eventuell die Zinsen senken, bevor sie sicher sind, dass die Inflation besiegt ist, und somit das Risiko eingehen, die Zinssenkungen stoppen oder, noch schlimmer, rückgängig machen zu müssen.

Wie Gouverneur Waller in einer Fragerunde im Anschluss an seine jüngste Rede betonte, wäre dies der „schlimmste Fehler“, den die Fed machen könnte.

Der FOMC wird von Grund auf überzeugt sein müssen, dass es mit der Inflation vorbei ist. Dazu wird die Tatsache, dass den BIP-Daten dieser Woche zufolge der Kernpreisindex für persönliche Konsumausgaben (PCE) das zweite Quartal in Folge um 2 % gestiegen ist und damit genau dem Zielwert der Fed entspricht, nicht ausreichen.

Andere Fed-Vertreter haben erklärt, man müsse sicher sein, dass die Inflation ausgemerzt ist, bevor man Zinssenkungen vornimmt. Falls eine Rezession oder eine harte Landung der Preis dafür ist, dass eine Zinssenkung nicht rückgängig gemacht wird, werden die Entscheidungsträger diesen Preis bezahlen.

Was bedeutet das nun für den FOMC?

Zinssenkungen werden am Horizont sichtbar, aber so weit sind wir noch nicht. Der FOMC tritt am 28./29. Januar, am 19./20. März und dann Anfang Mai wieder zusammen. Im Anschluss an die Rede von Gouverneur Waller machten sich die Märkte verstärkt mit dem Gedanken vertraut, dass die Erwartungen hinsichtlich einer Zinssenkung im März verfrüht sein könnten, wodurch die Wahrscheinlichkeit dieser Zinssenkung von 80 % auf 50 % zurückging.

Aufgrund des doppelten Mandats der Fed – Gewährleistung von Preisstabilität und Vollbeschäftigung – ist es durchaus denkbar, dass die Fed im Falle wesentlich schwächerer Daten verkündet, die Geldpolitik entspreche infolge der geänderten Faktenlage einem Umfeld, das nicht mehr gegeben ist.

Ob derartige Daten im März oder April oder später eintreffen, ist vielleicht weniger wichtig als die Tatsache, dass die Geldpolitik mit einem Fed-Funds-Zielsatz von derzeit 5,25-5,50 % etwa 300 Basispunkte über dem neutralen Satz liegt, den die Fed bei etwa 2,5 % sieht. Das lässt erheblichen Spielraum für eine Anpassung der Leitzinsen, wenn sich das wirtschaftliche Umfeld ändert.

Die Erwartungen unseres makroökonomischen Teams sind folgende: Erste Zinssenkung im 2. Quartal und danach bei jeder FOMC-Sitzung des Jahres 2024 eine Senkung um 25 Bp, insgesamt also eine Senkung der Leitzinsen um 125 Bp in diesem Jahr.

Risikoaversion bei der EZB stärker ausgeprägt?

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat bei ihrer Sitzung in dieser Woche zum dritten Mal in Folge den Zinssatz, zu dem sich Banken bei ihr Geld leihen können, unverändert gelassen, ebenso wie den Einlagenzins in Höhe von 4 %. Die EZB-Präsidentin Christine Lagarde erklärte ebenso wie mehrere ihrer Kollegen, eine Zinssenkung im Sommer sei „wahrscheinlich“. Die Vertreter der EZB scheinen den Juni als frühesten Zeitpunkt für den Beginn einer geldpolitischen Lockerung ins Auge zu fassen.

Dieser Zeitplan stimmt jedoch nicht mit den Märkten überein, die zu einem ersten Schritt im April tendieren – was die EZB wiederholt ausgeschlossen hat. Nach der Sitzung vom 25. Januar wurden die jüngsten Wachstums- und Inflationstrends in der zugegebenermaßen kurzen Erklärung moderater beurteilt, und Präsidentin Lagarde räumte ein, dass der Anstieg der Gesamtinflation im Dezember geringer war als von der EZB erwartet.

Sie konzentrierte sich auf die Datenabhängigkeit und spielte die Tatsache herunter, dass die EZB jeden einzelnen Datenpunkt beurteilen muss, bevor sie mit der Lockerung beginnt. Letzteres weckte vielleicht die Hoffnung, dass sich der geldpolitische Kurs umgehend verschieben könnte, wenn sich die makroökonomische Einschätzung ändert.

Diese moderaten Äußerungen genügten, um die Erwartungen der Anleger hinsichtlich baldiger Zinssenkungen in die Höhe zu treiben. Vor der letzten Zinssitzung betrug die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im April 63 %, am 25. Januar betrug sie bei Börsenschluss 93 %. Und bis zur Juni-Sitzung werden nun Zinssenkungen in Höhe von 50 Bp eingepreist.

Vor diesem Hintergrund stiegen die Kurse von Staatsanleihen der Länder der Eurozone erheblich und die 10-jährigen Renditen von Eurozonen-Staatsanleihen gingen stark zurück. In der kommenden Woche werden mit der Veröffentlichung der Verbraucherpreisinflation (VPI) für Januar wichtige neue Daten erwartet. Etwaige Überraschungen könnten einen erheblichen Einfluss auf den Zeitplan für Zinssenkungen haben.

Unserer Ansicht nach stagniert das Wachstum in der Eurozone aufgrund negativer Einflüsse, die auf die von der Politik herbeigeführte Verschärfung der Finanzierungsbedingungen und den strukturellen Wirtschaftsabschwung in Deutschland zurückgehen. Sowohl die Kern- als auch die Gesamtinflation sind rückläufig. Unser makroökonomisches Researchteam geht davon aus, dass beide Zahlen in der zweiten Jahreshälfte 2024 unter das 2%-Ziel der EZB fallen. Infolgedessen lautet unsere Prognose: Deutliche Zinssenkungen ab Juni, ein Einlagensatz von 2,75 % zum Jahresende und dann unter 2 % im Jahr 2025.

Stabilisierungsmaßnahmen für die chinesischen Aktienmärkte

Der chinesische Aktienmarkt gehört zu den Märkten mit der schlechtesten Performance weltweit: Seit August 2023 gab der Shanghai Shenzhen CSI 300 um rund 20 % nach (siehe Abbildung 1). Dieser Rückgang erklärt sich zum Teil aus den sich stetig verschlechternden Wachstumserwartungen für China – eine Situation, die durch unzureichende makroökonomische und fiskalische Anreize noch verschärft wurde.

Diese Woche haben die chinesischen Behörden Maßnahmen zur Stützung der Aktienmärkte angekündigt. Dies folgt auf einen düsteren Jahresauftakt für chinesische Aktien, bei dem Tokio Shanghai als größten asiatischen Aktienmarkt überholte und Indiens Bewertungsaufschlag gegenüber China eine Rekordhöhe erreichte.

Insgesamt büßten chinesische und Hongkonger Aktien seit dem Höchststand von 2021 rund 6,3 Billionen USD an Marktwert ein (Quelle: Bloomberg News). Das macht deutlich, welcher Herausforderung sich Peking gegenübersieht, wenn es versucht, den Vertrauensschwund bei den Anlegern aufzuhalten.

Nachdem der CSI 300 Index in neun der letzten zehn Wochen rückläufig war, kündigten die Behörden ein Maßnahmenpaket an, das u. a. den Kauf von Festlandaktien in Höhe von rund 2 Billionen Yuan (278 Mrd. USD) über Offshore-Handelsverbindungen vorsieht.

Darüber hinaus wird die chinesische Zentralbank, um das Wachstum anzukurbeln, ab Februar den Umfang der von den Banken zu haltenden Reserven reduzieren. Die am 24. Januar angekündigte Senkung des Mindestreservesatzes der People’s Bank of China (PBoC) um 0,5 % entspricht einer Liquiditätsspritze für das Finanzsystem in Höhe von 1 Billion RMB (140 Mrd. USD).

Als Reaktion auf diese Maßnahmen, die zur Stabilisierung des Marktes beitragen könnten, war bei chinesischen Aktien ein Anstieg zu verzeichnen. Auch bei den zweifellos weit niedrigeren Bewertungen chinesischer Aktien, brauchen die Anleger jedoch sicherlich konkretere wachstumsstützende Maßnahmen Pekings sowie geldpolitische Änderungen, die einen nachhaltigen Aufschwung auf diesem Markt antreiben. Maßnahmen dieser Art könnten bei den jährlichen Legislativsitzungen Anfang März vorgestellt werden.

Rechtshinweis

Bitte beachten Sie, dass diese Artikel eine fachspezifische Sprache enthalten können. Aus diesem Grund können sie für Leser ohne berufliche Anlageerfahrung nicht geeignet sein. Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und basieren auf den verfügbaren Informationen, womit sie ohne vorherige Ankündigung geändert werden können. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen. Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück. Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen. Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Konservierung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein. Private Assets sind Anlagemöglichkeiten, die über öffentliche Märkte wie Börsen nicht verfügbar sind. Sie ermöglichen es Anlegern, direkt von langfristigen Anlagethemen zu profitieren, und können Zugang zu spezialisierten Sektoren oder Branchen wie Infrastruktur, Immobilien, Private Equity und anderen Alternativen bieten, die mit traditionellen Mitteln schwer zugänglich sind. Private Assets bedürfen jedoch einer sorgfältigen Abwägung, da sie in der Regel ein hohes Mindestanlageniveau aufweisen und komplex und illiquide sein können.

Ähnliche Artikel

Wöchentliches Markt-Update - Qualität ist jetzt entscheidend
Coronavirus-Update: Was wir tun, um die Marktaussichten im Blick zu behalten
Erhalten Sie Einblicke und Analysen zu Trendthemen von über 500 Anlageexperten.
BNP AM
Entdecken Sie noch heute VIEWPOINT