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Im Vordergrund | Artikel - 3 Min

Coronavirus-Update: Was wir tun, um die Marktaussichten im Blick zu behalten

Die Aussichten sind immer ungewiss – das ist eine unbestreitbare Tatsache für Anleger. Die Märkte stehen nie still und revidieren Ansichten und Bewertungen, sobald neue Informationen zur Verfügung stehen. Unser Anlagehorizont erfordert jedoch, dass wir die aktuellen Entwicklungen im Blick behalten und diese mit den aktuellen Kursen abgleichen.

Der Ausbruch von COVID-19 macht da keinen Unterschied: Wir müssen entscheiden, ob wir der Meinung sind, dass die aktuellen Preise der realen Lage entsprechen.

Im Folgenden haben wir einige Themenbereiche mit Signalfunktion zusammengestellt, auf die Anleger unserer Ansicht nach schauen sollten, um die Marktaussichten besser einschätzen zu können.

1) Das Virus und der Impfstoff

Nachrichten über die erfolgreiche Neuausrichtung vorhandener antiviraler Medikamente zur Behandlung von COVID-19-Patienten und effektive Fortschritte bei der Entwicklung eines Impfstoffs sind entscheidend für die Stimmung im Markt.

2) Maßnahmen des Gesundheitswesens

Die Maßnahmen des Gesundheitswesens in den Industrieländern sind vor allem von der Überlegung bestimmt, Neuerkrankungen zu verhindern, um die Kapazität des primären Gesundheitssystems nicht zu überfordern.

Ein entscheidender Schritt wäre die Bereitstellung eines Bluttests auf Antikörper, da so die Anzahl der Menschen ermittelt werden könnte, die bereits infiziert wurden und (hoffentlich) immun sind. Auf dieser Basis könnten die Regierungen abschätzen, wann eine Herdenimmunität erreicht ist und der Lockdown des öffentlichen Lebens aufgehoben werden kann. Die Nachricht, dass ein solcher Test und damit Daten zur erworbenen Immunität in der Bevölkerung zur Verfügung stehen, hätte hohe Bedeutung für die Märkte.

3) Wirtschaftliche Kosten des Social Distancing

Es ist schwierig, die Auswirkungen der Ausgangs- und Kontaktsperren auf die Konjunktur exakt zu beziffern. Es liegen Berichte zu unveröffentlichten Schätzungen der EZB vor, die die negativen Auswirkungen auf den Konjunkturverlauf in der Eurozone auf zwischen 2% und 10% schätzen und für einen dreimonatigen Lockdown von einer Beeinträchtigung des Wachstums um 5% ausgehen.

Je strenger die Maßnahmen sind und je länger sie andauern, desto größer wird ihr Effekt sein. Nach Aufhebung des Lockdown dürfte sich die Arbeitswelt wieder der Normalität annähern. Das Produktions- und Beschäftigungsniveau wird sich während der Betriebsstillstände weit vom Trend entfernen, ansonsten aber wieder auf übliche Levels zurückkehren. Das Tempo des Wirtschaftswachstums wird stärkeren Schwankungen unterworfen sein.

4) Wirtschaftspolitische Antworten

Schon früh in der Krise wurde schmerzlich deutlich, dass eine Lockerung der Geldpolitik nicht ausreicht, um der Bedrohung durch das Coronavirus zu begegnen. Die Märkte waren gezwungen, sich mit unangenehmen Fragen auseinanderzusetzen: Was wäre ausreichend? Von wem müsste es kommen? Und kommt es rechtzeitig? Die wirtschaftspolitischen Reaktionen sind ein entscheidender Faktor, wenn es darum geht, die Marktaussichten zu beurteilen.

Gemeinsame geld- und haushaltspolitische Maßnahmen zur Konjunkturförderung werden auf den Weg gebracht. Die Zentralbanken nutzen die zur Verfügung stehenden politischen Instrumente voll aus, um die Liquidität an den wichtigsten Großhandelsmärkten aufrechtzuerhalten und zu verhindern, dass es zu Stillständen kommt.

Die Finanzminister haben sich dem Motto verschrieben: „Es koste, was es wolle – Verluste werden gemeinsam getragen“. Dazu können Kreditgarantien und Darlehen an Unternehmen gehören, damit diese ihr Geschäft weiterführen können. Oder auch Direktzahlungen an alle Haushalte.

Erstaunlich ist dabei, dass wirklich radikale Ideen nun ernsthaft in politischen Kreisen diskutiert werden – so zum Beispiel Einmalzahlungen an alle Haushalte, die geldpolitische Absicherung von Defiziten durch Zentralbanken oder dass Zentralbanken als Risikoträger letzter Instanz fungieren und Risikoaktiva kaufen, um die angeschlagenen Märkte wieder zu beruhigen.

5) Lebensgeister stärken

Wir befürchten, dass die Wirtschaft nach dem Schock des Social Distancing in einem Zustand geringen oder gar keinen Wachstums stecken bleiben könnte. Ein solches Szenario würde eine Erholung der Risikoaktiva nicht unterstützen.

Maßnahmen zur Stärkung des Vertrauens der Verbraucher und Unternehmen – oder anders formuliert der „Lebensgeister“ – haben hohe Aussagekraft. Bei Unternehmen könnten auch die Beschäftigungs- und Investitionsabsichten nützliche Informationen liefern.

6) Erwartungen anpassen

Der letzte Faktor, auf den Anleger unserer Ansicht nach schauen sollten, ist die Frage, ob und wann der Markt die kurzfristigen sozialen und wirtschaftlichen Folgen des Virus voll begreift. Möglicherweise sind auf kurze Sicht mehrere Lockdowns erforderlich, um das Virus einzudämmen. Das würde zu deutlich höheren kumulativen wirtschaftlichen Kosten führen. Wenn diese Realität ins Bewusstsein sickert, könnten die Preise weiter fallen.

Eine Möglichkeit, festzustellen, ob der Markt die von den Behörden verfolgten Strategien akzeptiert hat, besteht darin, auf die Preise zu schauen: Wenn diese nicht mehr auf Neuigkeiten bezüglich der politischen Maßnahmen reagieren, sind Letztere wohl eingepreist. Eine weitere Möglichkeit, die Erwartungen der Anleger einzuschätzen, eröffnet ein Blick auf die von Investmentspezialisten veröffentlichten Analysen und Kommentare und darauf, wie genau die dort geäußerten Ansichten reale Verhältnisse spiegeln.

Zusammenfassung

Dies sind die Themenbereiche, die für Anleger unserer Ansicht nach nützlich sein können, wenn sie die Marktaussichten beurteilen möchten, die wiederum die Entwicklung der Märkte in den kommenden Wochen beeinflussen werden.

Auf unstrittige Beweise für den Ausgang der Entwicklungen zu warten bedeutet, dass sich die Preise bereits angepasst haben und entweder wieder auf das normale Niveau zurückgekehrt sind oder einen Ausverkauf erlebt haben. Es ist von essenzieller Bedeutung für Anleger, bei diesen Entwicklungen die Nase vorn zu haben.

Bitte beachten Sie, dass diese Artikel eine fachspezifische Sprache enthalten können. Aus diesem Grund können sie für Leser ohne berufliche Anlageerfahrung nicht geeignet sein. Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und basieren auf den verfügbaren Informationen, womit sie ohne vorherige Ankündigung geändert werden können. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen. Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück. Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen. Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Konservierung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein. Private Assets sind Anlagemöglichkeiten, die über öffentliche Märkte wie Börsen nicht verfügbar sind. Sie ermöglichen es Anlegern, direkt von langfristigen Anlagethemen zu profitieren, und können Zugang zu spezialisierten Sektoren oder Branchen wie Infrastruktur, Immobilien, Private Equity und anderen Alternativen bieten, die mit traditionellen Mitteln schwer zugänglich sind. Private Assets bedürfen jedoch einer sorgfältigen Abwägung, da sie in der Regel ein hohes Mindestanlageniveau aufweisen und komplex und illiquide sein können.

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