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Wöchentliches Markt-Update – Zu starke US-Daten lassen die Zinsen steigen

Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen nähern sich der 5 %-Marke und übertreffen damit das Niveau, das im Oktober vor dem Ausbruch des Konflikts im Nahen Osten erreicht wurde. In den letzten zwei Wochen fielen die Renditen, da geopolitische Sorgen die Anleger dazu veranlassten, Risiken vom Tisch zu nehmen. Da die jüngsten US-Konjunkturdaten jedoch besser ausfallen als erwartet, steigen die Renditen wieder.   

Der Anstieg der nominalen Anleiherenditen ist nicht nur auf steigende reale (inflationsbereinigte) Renditen zurückzuführen – wie dies seit Juli der Fall ist – sondern auch auf steigende Inflationserwartungen (siehe Diagramm 1). Dies spiegelt möglicherweise die Befürchtung der Märkte wider, dass eine Eskalation des Konflikts zu höheren Ölpreisen führen könnte.

Die US-Wirtschaftsdaten waren jedoch nicht unbedingt so stark, wie der Markt zu glauben scheint. Der offensichtliche ‚Anstieg’ der US-Arbeitsmarktdaten von vor zwei Wochen ist eine nähere Betrachtung wert.

Die saisonbereinigte Gesamtzahl von 336.000 neu geschaffenen Arbeitsplätzen (gegenüber den erwarteten 170.000) enthielt eine beträchtliche Anzahl von Neueinstellungen im öffentlichen Dienst. Die nicht saisonbereinigte (d. h. tatsächliche) Zahl der Beschäftigten in der Privatwirtschaft fiel um 399.000. Die Beschäftigung in der Privatwirtschaft ist also im September zurückgegangen, was aber fast immer der Fall ist, wenn die Einstellungen des Sommers abgebaut werden.

Der Rückgang war unterdurchschnittlich – daher der überdurchschnittliche saisonbereinigte Wert –, aber die echten, nicht saisonbereinigten Daten ergeben ein anderes Bild der Arbeitsmarktlage als die Medienberichte. Dies macht es auch leichter zu verstehen, warum das Wachstum des durchschnittlichen Stundenlohns im Vergleich zum Vormonat von 4,3 % auf 4,2 % zurückging.

Die jüngsten US-Inflationsdaten wurden ebenfalls als stärker als erwartet dargestellt. Die Veränderung des Verbraucherpreisindex (VPI) gegenüber dem Vorjahr betrug 3,7 % im Vergleich zum prognostizierten Anstieg um 3,6 %. Aber auch hier ergibt sich ein anderes Bild, wenn man die Details betrachtet.

Für die US-Notenbank ist die Kerninflation von größerer Bedeutung. Sie stieg im Monatsvergleich (wie erwartet) um 0,3 %, aber der Anstieg war fast ausschließlich auf die immer noch hohen Wohnkosten zurückzuführen. Höhere Immobilienpreise bedeuten zwar Inflation, sind aber für die Fed weniger besorgniserregend, da hohe Hypothekenzinsen wahrscheinlich irgendwann zu einem Rückgang der Wohnkosten führen werden. So lagen die jüngsten Daten zu Baubeginnen beispielsweise unter den Konsenserwartungen. Lässt man die Wohnkosten aus der Inflationsberechnung heraus, so stieg die Kerninflation im Monatsvergleich nur um 0,07 % (1,9 % gegenüber dem Vorjahr).

Neben technischen Faktoren wie der Positionierung von Anlegern und den Verkäufen von Commodity Trading Advisor (CTA)-Konten, die die Renditen von Staatsanleihen in die Höhe treiben, spielen auch die Sorgen der Märkte über hohe Haushaltsdefizite eine Rolle.

Wir gehen zwar davon aus, dass die Renditen von nun an sinken werden, sind uns aber bewusst, dass sie angesichts der anhaltenden quantitativen Straffung durch die Fed und des wachsenden Angebots an Staatsanleihen durchaus noch weiter steigen könnten.

China – Warten auf Konjunkturmaßnahmen

Die Stimmung der Anleger in Bezug auf China ist nach wie vor negativ, aber der Aktienmarkt hat sich in den letzten Monaten stabilisiert (siehe Diagramm 2). Die jüngsten Wirtschaftsdaten waren (leicht) ermutigend. Die Veränderung der Ein- und Ausfuhren gegenüber dem Vorjahr war im September immer noch negativ, da sich die Wirtschaftstätigkeit weltweit seit dem anfänglichen Boom nach den Lockdowns verlangsamt hat, aber zumindest war die Wachstumsrate der Ausfuhren nicht so negativ wie befürchtet.

Bemerkenswert ist, dass das Wirtschaftswachstum im dritten Quartal die Markterwartungen übertraf: Das BIP-Wachstum lag bei 4,9 % gegenüber dem Vorjahr anstatt bei den prognostizierten 4,4 %. Noch ermutigender war die auf das Jahr hochgerechnete Veränderung gegenüber dem Vorquartal mit 5,2 %, was bedeutet, dass die Regierung ihr Wachstumsziel von 5 % für das Jahr erreichen kann, sofern das Wachstum im vierten Quartal mindestens 3,4 % beträgt (auf das Jahr hochgerechnet, im Quartalsvergleich).

Unserer Ansicht nach muss Peking den angeschlagenen Immobiliensektor stärker unterstützen und Maßnahmen gegen die hohe Verschuldung der Gebietskörperschaften ergreifen, damit chinesische Aktien die internationalen Aktien übertreffen, anstatt mit ihnen Schritt zu halten. Diese doppelte Sorge drückt auf die Stimmung der inländischen Verbraucher und Unternehmen ebenso wie auf das ausländische Interesse an chinesischen Vermögenswerten. Wir gehen davon aus, dass die zuständigen Stellen ihre Unterstützung gewähren werden, aber der Zeitpunkt ist noch ungewiss.

Europa – Ein weniger aussichtsreiches Umfeld  

Im Gegensatz zu den USA und China blieben die Daten für die Eurozone im Allgemeinen hinter den Markterwartungen zurück (siehe Diagramm 3). Sowohl die Stimmung in Deutschland als auch die Industrieproduktion in Deutschland und im Vereinigten Königreich haben in letzter Zeit enttäuscht, obwohl das Wachstum der Industrieproduktion in Italien besser ausfiel als erwartet.

Der Inflationsdruck in der Eurozone lässt zwar nach, aber nur langsam, und wir halten es für unwahrscheinlich, dass die Europäische Zentralbank in nächster Zeit Zinssenkungen ankündigen wird.

Die Region befindet sich bereits am Rande einer Rezession. Ohne die fiskalischen Anreize, die der US-Wirtschaft so sehr geholfen haben, und angesichts steigender Erdgaspreise und des Nahostkonflikts, die die Sorge um die Energiepreise in diesem Winter wieder aufleben lassen, gibt es in Europa mehr negative als positive Katalysatoren.

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