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Im Vordergrund | Artikel - 4 Min

Wöchentliches Markt Update – Wenn nichts schief geht, wird sich die Fed Zeit lassen

Die Botschaft der geldpolitischen Entscheidungsträger nach der Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (FOMC) am 31. Januar war eindeutig: Es werden zwar Zinssenkungen kommen, aber nicht so schnell, wie der Markt erwartet hat. Der FOMC beließ den Leitzins auf seiner vierten Sitzung in Folge in einem restriktiven Bereich zwischen 5,25 % und 5,50 %.   

Wie erwartet, haben die Entscheidungsträger der US-Notenbank (Fed) ihre Tendenz zur Straffung der Leitzinsen aufgegeben. In der offiziellen Erklärung wurde die Formulierung in Bezug auf die Möglichkeit einer ‚zusätzlichen geldpolitischen Straffung’ gestrichen. Stattdessen stellten die Beamten fest, dass die Risiken für die Vollbeschäftigung und die niedrige Inflation sich nun ‚einem besseren Gleichgewicht’ näherten.

Wahrscheinlich handelt es sich bei der jüngsten Verbesserung der US-Inflationsdaten genau um die von der Fed gewünschte Entwicklung – ihr Vorsitzender Jerome Powell bestätigte die ‚guten Nachrichten’ über die Inflation in den letzten sechs Monaten –, aber die geldpolitischen Entscheidungsträger müssen mehr davon über einen längeren Zeitraum sehen, bevor sie davon überzeugt sind, dass der Zeitpunkt für eine Zinssenkung gekommen ist.

Um diesen Punkt zu unterstreichen, erklärte der Fed-Vorsitzende Powell, dass eine Zinssenkung auf der nächsten FOMC-Sitzung im März „nicht der wahrscheinlichste Fall oder das Basisszenario“ sei.

Jüngste Inflationsdaten beruhigen

Zeitgleich mit der Sitzung des Offenmarktausschusses wurden Daten veröffentlicht, die zeigen, dass sich die Arbeitskosten in den USA stärker als prognostiziert abgekühlt haben, was ein neues Zeichen für nachlassenden Inflationsdruck ist.

Der Beschäftigungskostenindex (ECI), der Löhne und Sozialleistungen misst, verzeichnete im vierten Quartal 2023 mit +0,9 % seinen geringsten Anstieg seit 2021, nachdem er im Vorquartal 1,1 % zugelegt hatte. Das langsamere Wachstum des ECI ist eine ausgesprochen gute Nachricht für die geldpolitischen Entscheidungsträger in den USA, da es darauf hindeutet, dass der Lohndruck zusammen mit der Wareninflation nachlässt.

Obwohl es andere, häufigere Messgrößen gibt – einschließlich der Zahlen zum durchschnittlichen Stundenverdienst aus dem monatlichen Beschäftigungsbericht – gilt der ECI als besserer Maßstab, da er nicht durch Verschiebungen in der Zusammensetzung der Beschäftigung zwischen Berufen oder Branchen verzerrt wird. Er ist deshalb das bevorzugte Lohnmaß der Fed.

Auch andere Anzeichen deuten auf eine Verlangsamung des Lohnwachstums hin. Der Atlanta Fed Tracker für das Lohnwachstum, ein gleitender 3-Monats-Durchschnitt des Medianlohns, hat sich so langsam stabilisiert wie seit zwei Jahren nicht mehr. Darüber hinaus wird der am 2. Februar erscheinende Arbeitsmarktbericht für Januar voraussichtlich eine Verlangsamung des Anstiegs des durchschnittlichen Stundenlohns zeigen.

Auch die in der vergangenen Woche veröffentlichten Daten zum Deflator der privaten Konsumausgaben (PCE), einer vom FOMC gegenüber dem Verbraucherpreisindex (VPI) bevorzugten Messgröße, wirkten beruhigend (siehe Schaubild 1).

Dieses Maß gilt als umfassender und über lange Zeiträume hinweg konsistenter als der Verbraucherpreisindex. Im Dezember fiel es zum ersten Mal seit fast drei Jahren auf unter 3 %. Der Kernindex der privaten Konsumausgaben stieg im Jahresvergleich um 2,9 %. Dieser Wert stellt einen Rückgang gegenüber 3,5 % im November dar und liegt unter den Konsensprognosen. Alle aktuellen Daten deuten auf eine Disinflation hin. Die Frage ist, ob das so weitergehen wird.

Warum die Vorsicht?

Der Grundsatzerklärung zufolge wollen die Entscheidungsträger der Fed ‚stärkeres Vertrauen’ haben, dass die Inflation tatsächlich besiegt ist und sich wieder auf das 2 %-Ziel der Fed zubewegt.

Obwohl der Fed-Vorsitzende Powell die guten Nachrichten zur Inflation anerkannte, hüten er und seine Kollegen sich davor, in die Falle einer verfrühten Lockerung der Geldpolitik zu tappen.

Ein im vergangenen September veröffentlichtes Papier des IWF mit dem Titel „One Hundred Inflation Shocks: Seven Stylized Facts“ stellte fest: „Bei den meisten ungelösten (Inflations-)Episoden kam es zu ‚verfrühtem Jubel’, als die Inflation zunächst zurückging. Später verharrte sie dann aber auf einem hohen Niveau oder beschleunigte sich wieder.“ Die Zentralbanker sind gewarnt!

Die besten Pläne von Mäusen und Menschen gehen oft schief

Die Bekanntgabe unerwarteter Probleme bei der New York Community Bankcorp (NYCB) erinnerte rechtzeitig daran, dass ‚unbekannte Unbekannte’ die Fed dazu veranlassen könnten, ihren geldpolitischen Ansatz abrupt zu ändern.

Nachdem die New Yorker Bank, die im vergangenen Jahr einen Teil der Vermögenswerte der gescheiterten Signature Bank übernommen hatte, eine Dividendenkürzung und eine Rückstellung für Kreditverluste in Höhe von 550 Mio. USD, hauptsächlich für Immobilien, angekündigt hatte, schalteten die Märkte auf Risikoaversion um und schichteten Gelder aus Risikoanlagen in Anleihen um.

Die Bewertung der NYCB-Aktie fiel am 31. Januar um rund 38 %, und der KBW-Regionalbankenindex sank um 6 %, was den stärksten Rückgang seit dem Sturz der Silicon Valley Bank (SVB) durch einen Ansturm auf die Einlagen im vergangenen März darstellt.

Durch den Erwerb von Vermögenswerten der Signature Bank wurde die NYCB in eine aufsichtsrechtliche Kategorie eingestuft, die ein höheres Kapitalniveau erfordert. Nach Berichten von Bloomberg News gab das Unternehmen dies als den Grund für die Dividendenkürzung und die Erhöhung der Rückstellung für Kreditverluste an.

Die Probleme im US-Immobiliensektor waren in den letzten Monaten für die Anleger eine ‚bekannte Unbekannte’, da die Immobilienwerte einbrachen und Kreditnehmer, die sich refinanzieren wollten, mit höheren Zinssätzen konfrontiert wurden.

Die Rückstellung für Kredite bei der NYCB lag weit über den Schätzungen der Analysten. Die NYCB soll Berichten zufolge gesagt haben, dass sie Kreditausfallreserven aufbauen wolle, um mit anderen Banken ihrer Größe gleichzuziehen und einer möglichen Schwäche der Märkte für Büro- und Mehrfamilienhäuser zuvorzukommen.

Aber letzten Endes …

Risiko-Assets erlebten am 31. Januar einen schlechten Tag, was darauf hindeutet, dass die Aktienmärkte mit einer eher gemäßigten Botschaft der Fed gerechnet hatten. An dem Tag wurden bereits Ergebnisse von einigen US-Mega-Tech-Werten veröffentlicht, die in einem Umfeld, in dem Aktien für Perfektion gepreist wurden, enttäuschten.

Die Anleihen erholten sich trotz der Nachricht, dass das Angebot in den kommenden Monaten höher sein wird als erwartet. Die Nachricht von der NYCB trieb die Anleger in US-Treasuries, da sie befürchteten, dass dieses Ereignis ein Vorbote für umfassendere Probleme im Immobiliensektor sein könnte.

Insgesamt hielt sich die Verschiebung der Erwartungen in Bezug auf Zinssenkungen durch die Fed in Grenzen, da die Fed Fund Futures-Kurve am Ende des Tages trotz der Botschaften der Fed bis Ende 2024 mehr Zinssenkungen vorhersagte als vor der Fed-Sitzung.

Unser Multi-Asset-Anlageteam bleibt in Bezug auf Risikoanlagen vorsichtig. In einem Umfeld, in dem sich die Zentralbanken wahrscheinlich davor hüten werden, die Leitzinsen vorzeitig zu senken, und in dem es keine Gewissheit über die Höhe des neutralen Leitzinses gibt, können die Risiken, die sich aus einer zu langen Phase restriktiver Geldpolitik ergeben, nicht ausgeschlossen werden.

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