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Wöchentliches Markt-Update – Eine Woche, die Hoffnungen auf eine sanfte Landung aufkommen lässt

Die makroökonomischen Daten aus den USA ließen diese Woche Hoffnungen auf eine sanfte Landung der US-Wirtschaft aufkommen. Vor allem die US-Verbraucherpreisinflation fiel stärker als erwartet. Die Anleihemärkte zogen daraufhin kräftig an. Erwartungen, dass der geldpolitische Straffungszyklus jetzt zu Ende ist, verstärkten sich. Die geldpolitischen Entscheidungsträger behalten die Inflation weiterhin genau im Auge: Ein gebranntes Kind scheut das Feuer.

Der US-Inflationsbericht spricht für eine sanfte Landung

Im Oktober fiel die am US-Verbraucherpreisindex (VPI) gemessene Inflation stärker als erwartet auf 3,2% gegenüber dem Vorjahr (nach einem Anstieg von 3,7% in den 12 Monaten bis September) und verzeichnete damit ihren ersten Rückgang seit vier Monaten.

Die Märkte reagierten hocherfreut, was an einem deutlichen Rückgang der Renditen von US-Staatsanleihen und einem Anstieg der Aktienbewertungen deutlich wurde. Die Rendite der als Benchmark geltenden, zehnjährigen US-Staatsanleihe ging auf ein Dreimonatstief von 4,43% zurück, holte dann aber wieder etwas auf. Der S&P 500 stieg um 1,9%, sein höchster Anstieg an einem Tag seit April.

Der Bericht machte vor allem eine deutliche Verlangsamung der Mietinflation auf 0,41% gegenüber dem Vormonat deutlich. Dadurch kehrte sich der im September verzeichnete Anstieg um 0,56% effektiv um. Infolgedessen bleibt der disinflationäre Trend bei den Mieten intakt, was die Hoffnungen auf eine sanfte Landung der US-Wirtschaft verstärkt.

Fallende Mieten bei neu abgeschlossenen Mietverträgen deuteten einige Zeit darauf hin, dass die Mietinflation, die einflussreichste Einzelkomponente des VPI, nachlassen würde. Allein der Rückgang im Oktober war für eine Verlangsamung um 5 Basispunkte (Bp.) der Kern-Verbraucherpreisinflation gegenüber dem Vormonat verantwortlich, was den größten Teil des Unterschieds zwischen der gesamten Kerninflation im Oktober und derjenigen im September erklärt.

Die Heftigkeit der Marktreaktion ist vielleicht auf die etwas schwächer als erwartete Kerninflation zurückzuführen, die von 4,1% auf 4% gegenüber dem Vorjahr fiel und um 0,2% gegenüber dem Vormonat stieg.

Nach Extrapolation dieser Daten – und sofern es bei den Novemberdaten (die kurz vor der nächsten geldpolitischen Sitzung der US-Notenbank am 11.-12. Dezember veröffentlicht werden) keinen unerwartet hohen Anstieg der Verbraucherpreisinflation gibt – wird der Offenmarktausschuss (FOMC) seine im September geäußerte Prognose für die Kernrate der privaten Konsumausgaben Ende 2023 wohl nach unten korrigieren müssen.

Um die aktuelle Prognose zu erreichen, müssten die Daten für die Kerninflation in den letzten beiden Monaten des Jahres sehr hoch sein. Daher ist eine Abwärtskorrektur jetzt sehr wahrscheinlich. Dies wäre die zweite Abwärtskorrektur in Folge, die der FOMC vornehmen muss, nach einer Reihe von Aufwärtskorrekturen bei den Inflationsprognosen.

Der Inflationsbericht, der besser ausfiel als erwartet, folgt auf die Veröffentlichung des Inflationsberichts der Eurozone für Oktober, aus dem hervorgeht, dass die Inflation in den 12 Monaten bis Oktober auf 2,9% zurückgegangen ist (gegenüber 4,3% im September), was auch auf die diesjährigen Rückgänge der Energiepreise zurückzuführen ist.

Diese günstigeren Inflationszahlen dürften die Spekulationen anheizen, dass die Zentralbanken, darunter die Fed, die Europäische Zentralbank und die Bank of England, die Zinserhöhungen beendet haben. Die Fed beließ ihren Leitzins Anfang November auf dem höchsten Stand seit 22 Jahren.

Nach diesem neuesten Bericht preisten die Futures-Märkte null Chancen ein, dass der FOMC die Zinsen bei seiner Dezembersitzung anheben würde. Die Anleger gaben außerdem jetzt schon Schätzungen ab, wann die Fed mit Zinssenkungen beginnen würde. Derzeit preisen die Märkte zwei Zinssenkungen um 0,25 Prozentpunkte bis nächsten Juli ein.

Politische Entscheidungsträger immer noch auf der Hut 

Dennoch bleiben die politischen Entscheidungsträger vorsichtig.

Der Fed-Vorsitzende Jerome Powell betonte letzte Woche, dass er und seine Kollegen sich nicht „von ein paar Monaten mit guten Daten verleiten lassen“ und dass die Fed die Geldpolitik bei Bedarf immer noch weiter straffen könnte.

Thomas Barkin, Vorsitzender der Richmond Fed, wiederholte die Botschaft diese Woche, indem er warnte, dass sich die Inflation unter Umständen nicht auf einem „sanften Gleitpfad in Richtung des 2%-Ziels“ befinde, auch wenn in letzter Zeit „echte Fortschritte“ erzielt wurden.

Der US-Verbraucher bleibt robust…

Der US-Einzelhandelsumsatz fiel im Oktober weniger als progostiziert, was darauf hindeutet, dass die US-Verbraucher relativ robust sind.

Der Gesamtverbraucherpreisindex war besser als erwartet, da er nur um 0,1% fiel und nicht um 0,3%, auf die sich der Markt eingestellt hatte. Der Rückkang war zum Teil auf einen preisbedingten Rückgang der Ausgaben für Benzin zurückzuführen.

Es war der erste Monatsrückgang seit März, obwohl der im September verzeichnete Anstieg auf 0,9% nach oben korrigiert wurde.

Diese Daten stützen wiederum die Erwartungen einer weichen Landung der US-Wirtschaft etwas.

…Aber es gibt weitere Anzeichen für eine Anpassung des US-Arbeitsmarkts…

Die Anträge auf Arbeitslosenunterstützung in den USA stiegen um 13.000 auf 231.000 (gegenüber den Konsensprognosen von 220.000), wobei die Folgeanträge ebenfalls stiegen, was auf eine Abkühlung des Arbeitsmarkts hindeutet.

Da sich das Beschäftigungswachstum hauptsächlich aufgrund geringerer Neueinstellungen abschwächt, ist es wichtig, die Entwicklung der Folgeanträge im Auge zu behalten.

Der Anstieg dieser Woche folgt einem Anstieg um 32.000 in der letzten Woche. Da die zugrunde liegenden Daten keinen so hohen Anstieg rechtfertigen, ist ein Großteil auf saisonale Bereinigungen zurückzuführen. Obwohl der Anstieg von den Methoden des US-Arbeitsministeriums abhängt, stimmt er im Großen und Ganzen mit der Verschlechterung des Arbeitsplatzangebots, die aus Verbraucherbefragungen hervorgeht, überein.

…Und fallende Ölpreise sind ein gutes Zeichen für die Inflation

Die Ölpreise fielen diese Woche erneut und erreichten ihren tiefsten Stand seit Mitte Juli, da die Ängste vor Versorgungsengpässen aufgrund der wachsenden Lagerbestände in den USA nachließen.

Trotz der aktuellen geopolitischen Spannungen standen die Ölpreise 2023 die meiste Zeit unter Druck, obwohl sie nach dem Sommer gestiegen sind, als sich die OPEC+ unter der Führung von Saudi-Arabien und Russland zu einer Drosselung der Erdölförderung verpflichtete.

Rohöl der Sorte Brent, die internationale Benchmark, fiel diese Woche um 4,1% auf 77,84 USD pro Barrel, nachdem die US Energy Information Administration berichtet hatte, dass die Rohölbestände des Landes letzte Woche um 3,6 Millionen Barrel auf insgesamt 421,9 Millionen Barrel gestiegen sind, was deutlich über den Marktprognosen liegt.

Unterdessen in Karlsruhe, Deutschland

Am 15. November, gerade als der Deutsche Bundestag kurz davor war, einen mühsam ausgehandelten Haushalt endgültig zu verabschieden, entschied das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, dass Finanzierungen in Höhe von 60 Milliarden EUR für Klimaschutz- und Industrieprojekte gestrichen werden.

Das Urteil trifft fast ausschließlich Projekte, die von den Grünen, dem Koalitionspartner von Bundeskanzler Scholz, angeregt wurden, von denen viele „bilanzextern“ finanziert wurden.

Die Bundesregierung prüft derzeit die vollständigen Auswirkungen des Gerichtsurteils auf die Schuldenbremse. Es scheint, dass die Regierung vom Haushalt 2024 Nettoeinsparungen in Höhe von 24 Milliarden Euro finden muss, von denen der Großteil aus der Kürzung der Subventionen für große Industriebetriebe stammen werden. Dieses Urteil könnte Deutschland möglicherweise zu einer prozyklischen fiskalischen Straffung zwingen, und dies ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, zu dem sich die Konjunktur abschwächt.

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